Mittwoch, 30. Januar 2013

WasWirdSein


Was wird sein?

Oder: Der scheinbar sinnlose Kampf gegen bestehende Verhältnisse

Visionäre hat es zu allen Zeiten gegeben. Propheten waren eine spezielle Erscheinung in der jüdischen Tradition. Es waren Menschen, welchen die Gabe nachgesagt wurde, sie haben Kontakt zu einer Höheren Macht, bei welcher die Zukunft schon sichtbar sei und das, was sein wird, könne nur dann sich anders gestalten, wenn die herrschende Macht auf Erden sich besinne und eine andere Richtung einschlage. 

Eine solche Geschichte ist im Buch Jona im Alten Testament aufgeschrieben. Der Prophet selbst scheut vor dem Auftrag zurück, der Stadt Ninive und ihrem Herrscher entgegen zu treten und die Nachricht, welche Gott für sie hat, zu überbringen.
Aber die Flucht vor dem Auftrag misslingt. Das Schiff, auf welchem Jona vor Gott fliehen möchte, gerät in einen Sturm, der sich erst wieder legt, als Jona über Bord geworfen wird.
Jona wird von einem Wal geschluckt und nach drei Tagen wieder an Land ausgespuckt. 

Nun, dieser Prophet hatte großes Glück: Er fand eine gottesfürchtige Stadt und einen gottesfürchtigen König vor. Als er in Ninive ankam und dort rief: „Noch vierzig Tage, und Ninive wird untergehen!“, da wurde ein großes Fasten ausgerufen und der König selbst hüllte sich in Bußgewänder und alle riefen den Herrn an – mit Ausdauer, wie es in der Schrift heißt.

Tun wir so etwas heute noch? Wie ist das heute? Wie kann heute noch jemand behaupten, die Zukunft zu kennen? Und wenn: Würde es irgendjemand zur Umkehr, weg von seinem Treiben, bewegen, wenn da jemand den Untergang prophezeite?
Wir alle wissen, welch große Schäden unser Handeln an der Welt verursacht hat. Klimawandel, vermehrtes Artensterben, Luftverschmutzung, Hitze-und Kältewellen und Überschwemmungen, um nur einige der Faktoren zu nennen, die das Leben auf dieser Erde bereits schon spürbar verändert haben und bedrohen. 

Und andere Tatsachen, die zeigen, dass der Mensch mit Seinesgleichen immer noch nicht so umgehen kann, dass vermeidbares Leid verhindert werden könnte, welches durch Krieg und Hunger in der Welt ist.
Da braucht es eigentlich keinen Propheten mehr, wie damals zu Jona`s Zeiten, der sagen könnte: Noch vierzig Tage ... . Ich vermute, es bräuchte Tausende von Jonas Art, welche all die Städte besuchen müssten, um die Nachricht deren Untergangs zu verkünden. Und es gibt auf der anderen Seite auch nicht mehr die Gottesfurcht, welche Ninive dazu bewegte, das schädliche Treiben zu beenden. Ist das tatsächlich so? Gibt es keinen Glauben mehr in der Welt? Woran glauben die Menschen heute? 

In einer Rede eines Indianers zur Zeit der Gründerjahre Amerikas hören wir: „Wovon träumt der weiße Mann?“ Schon dort wird ein mit der Natur nicht verträgliches Vorgehen angesprochen, welches sich auf diesem Kontinent breit machte und sich seitdem auch nicht geändert hat. 
Ich will jetzt aber nicht speziell Amerika als Umweltsünder Nummer eins anprangern, sondern bleibe in meinem Land und vor meiner Haustüre und frage: Was wird sein?
Haben all die positiven Ansätze von Umweltschutz und Nachhaltigkeit eine Chance, die Katastrophe aufzuhalten, welche durch unser Konsumverhalten eingerührt worden ist?  Oder sind das alles nur Halbherzigkeiten von welchen wenig Rettung zu erwarten ist? 
In der Bibel ist die Rede von einem Fasten, das ausgerufen und offenbar auch eingehalten wurde; sonst wäre diese Geschichte nicht aufgeschrieben worden: Ninive überlebte nur, weil Jona zu ihnen ging und weil sie sich nach dieser Prophezeiung besannen und fasteten
Bisher ist die Katastrophe in unserer heutigen Zeit ausgeblieben. Ist sie das wirklich? Von immer stärkeren Tornados und Hurrikans höre ich. Und die Zahl der Überschwemmungen und anderen Naturkatastrophen pro Jahr steigt. Die Natur holt sich erbarmungslos zurück, was wir ihr abgetrutzt haben. 
Noch können wir keinen wirklich bevorstehenden Weltuntergang wahrnehmen. Ich frage mich jedoch: Was braucht der Mensch noch an Warnungen, um endlich zu deutlich stärkeren Maßnahmen, wie zum Beispiel dem Fasten, zu kommen und dieser sichtbar und spürbaren Entwicklung entgegen zu wirken? 
Wir vertrauen heute einem Fach, das wir Wissenschaft nennen. Also nicht mehr der Kontakt zur Höheren Macht ist heute vorrangig, sondern das eigene Wissen, die Beobachtung und Erkenntnis von Naturgesetzen ist es, welche unser Verhalten weitestgehend formt und beeinflusst. 
Doch frage ich mich: Ist diese Wissenschaft in der Lage, Entwicklungen, welche zur Katastrophe führen können, aufzuhalten? Wie weit ist dieser „neue Glaube“ in der Lage, die an ihn Glaubenden so zu steuern, dass sie vor Katastrophen bewahrt bleiben?
Hat uns diese Wissenschaft blind oder größenwahnsinnig gemacht? Mit der Einstellung, alles zu wissen, alles „im Griff“ zu haben, ja praktisch Herr über Leben oder Tod zu sein, können einem, so sage ich mal, durchaus Fehler passieren! 
Die kleine Geschichte vom Bauern, der eine Zeit lang so sein durfte wie Gott und das Wetter bestimmen durfte, dabei aber den Wind als Kraft zur Bestäubung des Weizens vergaß, zeigt eindringlich, wie schnell die Grenzen des eigenen Horizonts erreicht sind und notwendige Dinge und Zusammenhänge übersehen werden können.


Ich glaube immer noch, dass uns die Geschichte von Jona und der Stadt Ninive durchaus heute noch etwas zu sagen hat. Es gibt keinen Jona mehr – es gibt auch keinen gottesfürchtigen König und kein gottesfürchtiges Volk mehr. Aber: Wie die Geschichte in der Bibel zeigt, hat nur eines vor der Katastrophe bewahrt – und das war ein konsequenter Verzicht auf das „Immer-mehr-desselben“, das Fasten. Nur die Umkehr vom schädlichen Tun hat letztlich aus der Katastrophe geführt. 



Und das, liebe Mitmenschen, ist es, was ich hier und heute noch einmal öffentlich machen und daran erinnern möchte. 

Michael Lamprecht, Berlin, 31.01.2013












Mittwoch, 16. Januar 2013

Altenpflege


Altenpflege?   Familienbande!


Gestern war ich im JobCenter bei meinem Arbeitsberater. Ich wollte eine Förderung für eine Weiterbildung beantragen zum Heilpraktiker.
Die Antwort war: „Sie sind selbständig und ich darf Sie nicht fördern, aber ich hätte da eine Ausbildung für ein halbes Jahr zum Altenpfleger anzubieten.“
Ist es nicht merkwürdig? Ich möchte die Menschen mit einem von mir selbst gewählten Beruf genau davor bewahren, in den „burn out“ zu rennen, wie ich das vor Jahren tat.
Aber mir wird eine Ausbildung von 2000 € nicht gewährt, die mich dafür qualifizieren würde.
Für eine Ausbildung zum Altenpfleger, welche mit Sicherheit das fünffache kostet, wäre Geld für mich da!
Und ich bin 62 Jahre alt und habe nach der Ausbildung noch maximal zweieinhalb Jahre, diesen Beruf auszuüben.
Als Heilpraktiker könnte ich allerdings noch ein paar Jahre länger wirken, weil ich in der Selbständigkeit selbst entscheide, wann ich mich altershalber zurückziehe!
Das ist nur eine Ungereimtheit in den Merkwürdigkeiten unserer Gesellschaft.
Ich habe zur Zeit eine Freundin, welche aus Russland kommt. Sie erzählte mir erst vor kurzem, wie das in ihrer Heimat mit den familiären Verhältnissen sei.
Da wohnen die Eltern, Großeltern und Kinder noch zusammen in einem Haus.  Und selbstverständlich sorgen die Kinder mit für den Haushalt und unterstützen die Mutter bei den im Haus anfallenden Arbeiten. 

Die Großeltern passen auf die Kinder auf, wenn die Eltern zur Arbeit gehen und da wird keine Oma, oder der Opa ins Altenheim geschickt, wo sie oder er unter fremden Menschen leben muss und sich von fremden Menschen pflegen lassen muss!
Ich habe davon gehört, dass das bei uns irgendwann auch einmal so war  – irgendwann vor dem Krieg. Ja, irgendwann bevor das alles los ging mit dem Wahnsinn, sich selbst und die Verbindung zur Familie aufzugeben und im Geldverdienen und Konsumieren den Sinn des Lebens wiederfinden zu müssen.
Da war einmal so etwas, wie eine heile Welt, eine Familienstruktur, Menschen die füreinander da waren und füreinander einstanden.
In amerikanischen Serien, welche wir später dann im Fernsehen sahen, wurden uns diese Ideale vorgespielt, wie in „Vater ist der Beste“, oder „Lassie“, „Mein Freund Flipper“ und „Unsere kleine Farm“. 

Ich kann mich an die Wehmut entsinnen, welche ich beim Zuschauen empfand. Der Verlust und das ungelebte Leben in dieser Erfahrung wurde mir erst sehr viel später bewusst; das, was mir in meinem Leben gefehlt hatte und an was ich auf diese Weise so schmerzlich erinnert wurde.
Heute, nach über dreißig Jahren schwerer und schmerzlicher seelischer Aufarbeitung meines Lebens, kann ich zum ersten Mal bewusst sagen, dass ich dankbar dafür bin, in ein solches Tief in meinem Leben gefallen und bewahrt geblieben zu sein. 
Heute kann ich sagen, dass ich die Entwicklung, welche unsere Gesellschaft genommen hat, als ziemlich verrückt und "aus dem Lot" empfinde und ich nur wünschen kann, dass wir insgesamt den Weg zurück zu einer  Normalität, welche auch Gesundheit und Heilung bedeutet, finden.

Dienstag, 15. März 2011

Schein

Manchmal wird im Leben deutlich, was Schein und was Wahrheit ist. Die Ereignisse der letzten Tage in Japan zeigen wieder einmal, dass wir Menschen uns nur in Sicherheit wähnen
Jetzt wird auch bei uns über mögliche Gefahren, welche von Atomkraftwerken ausgehen könnten ernsthaft gesprochen. 
Muss es erst zu Katastrophen kommen, dass wir zu vernunftbedingtem Handeln angeregt werden? 
Ich wünsche mir für dieses Ostern, dass wir wieder näher zusammenrücken und miteinander sprechen, uns wahrnehmen in den jeweils anderen Bedürfnissen und Ängsten und sich ein Gefühl der Gemeinschaft aller ausbildet. Unsere Erde ist zu klein, als dass Einzelne Ideen und Ansprüche verwirklichen, welche Leben zerstören und bedrohen.

Samstag, 4. Dezember 2010

Das Gebäude aus Glas


Wir haben so unzählig viele Erkenntnisse gewonnen und gesammelt seit ADAM und EVA - aber: 
Nutzen wir sie? Oder besser: Verstehen wir, wozu diese Erkenntnisse uns geschenkt worden sind?
Warum nenne ich diesen Aufsatz "Das Gebäude aus Glas"?
Nun, ich habe in der letzten Zeit zwei Filme gesehen: "21 Gramm" hieß der eine und "Arn" nannte sich der andere. "21 Gramm" handelt von drei Menschen, die durch einen Zufall miteinander zu tun haben. Einer davon stirbt durch einen Unfall. Sein Herz wird dem Anderen gespendet. Der Film hat seinen Titel von der Annahme, dass 21 Gramm bei jedem Menschen verloren gehen, wenn er stirbt. Der andere Film "Arn" handelt von den Kreuzzügen im Mittelalter. Der schwedische Ritter Arn wird zu 20 Jahren Dienst als Tempelritter verurteilt und fällt auf durch seine Courage und Fairness. Er soll durch sein Handeln lange Jahre den Frieden in Schweden bewirkt haben.
Aus dem Gesehenen entstanden heute morgen meine Gedanken: Unser Körper - die Schöpfung Gottes - ist wie Glas für uns geworden. Fast kein Geheimnis mehr birgt dieser Körper. Gott hat uns Einblick gegeben.
Schwert und Kugel - die Waffen in diesen beiden Filmen können in diesen Körper eindringen und ihn entweder töten, oder retten. 
Ein Arzt kann mit einem Skalpell bösartige Geschwulste aus diesem Körper entfernen, oder ein "neues" Herz einpflanzen. Die geschluckte Kugel (mit einer Kamera ausgerüstet) kann das Innenleben des Darmes beobachten und krankhafte Veränderungen entdecken. So weit sind wir als Menschen in unseren Forschungen und Bemühungen gekommen. Wir haben die Wahl und die Macht und damit aber auch die Verantwortung für das, wofür wir uns entscheiden: Für den Tod oder für das Leben!
Viel weniger aufwändig, weniger bedrohlich, oder schmerzhaft ist das Wort.
Aber: Auch das Wort kann eindringen durch`s Ohr in`s Herz und dort entweder Schaden oder Freude bereiten. Wer das bedenkt, ahnt, wozu Worte fähig sind. 
Gedanken werden, wenn sie auftauchen (aus dem Unterbewußten) und betrachtet werden, zu Worten. Die Worte können wie Boten an`s Ohr dringen und wenn sie gehört und aufgenommen werden, erwecken sie Träume, Bilder, Wünsche und Bedürfnisse. Wünsche können zu Taten werden. Das wissen wir alle.
Doch: Handeln wir in diesem Bewußtsein? Was ist die Bedingung dafür, dass Worte die Taten auslösen, welche dem Leben nützen und das Leben schützen?

Schenke mir, Abba, ein reines Herz; befreie es von Groll und Schmerz. Worte, Vater, von Deinem Altar verwandeln den Sinn, das Herz wird klar. Lass mir dies Wort zum Heil gedeih`n; mache mein Herz, Abba, wieder rein.


siehe zum Thema "Gedanken" auch
NiveauUnterschiede




Donnerstag, 2. Dezember 2010

Oh Gott, Du armes Kind?



„Alle Jahre wieder – ( kommt das Christuskind auf die Erden nieder, wo wir Menschen sind…)
Nur die Heiligen heilen die Welt, durch die Eiligen wird sie entstellt, durch die Hassenden wird sie zerstört, durch die Prassenden eitel entleert. Die nur Tüchtigen retten sie nicht und die Süchtigen löschen das Licht…
Keine „Frohe Botschaft“ – eher eine Warnung. 
Was finden unsere Kinder vor, wenn sie diese Welt betreten? Wie sollen sie mit dem, was sie da vorfinden, leben können? Welche Zukunft, welche „Krippe“ bereiten wir ihnen?
„Kind du bist uns anvertraut…“, singt ein Lied aus dem Evangelischen Gesangbuch zum Thema „Taufe“ und stellt die Frage: „Wozu werden wir dich bringen?“
Ich stehe auf. Gott hat mich geweckt, um diese eine Seite noch zu schreiben. Immer nur für einen Tag gibt ER mir die Kraft. Wer bin ich am Ende dieses Tages? Welche Freunde habe ich? Wohin bringen die mich? Was glaube ich, wohin es mit mir gehen soll?
„Wir werden alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Gottes.“ Dieser Satz wird jedes Jahr am Ende des Kirchenjahres verkündet, quasi als Erinnerung daran, dass wir hier auf der Erde keine feste Bleibe haben, für unser Handeln Verantwortung tragen, und irgendwann gefragt werden: „Was hast du mit deinem Leben gemacht?“
Viele Menschen in Deutschland sind aus der Kirche ausgetreten. Warum? Nun, ich nehme einmal an, dass sie mit dem, was dort gemacht wird, nicht mehr einverstanden sind. Ich bin geblieben, obwohl mir diese Frage, was ich mit meinem Leben gemacht habe, ziemlich auf den Nägeln brennt. „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“, sagt Jesus, als ER am Kreuz stirbt und diese Welt zurück lässt in dem Vertrauen, dass alles getan ist und alles gut ist, so, wie es ist.
Ich besuche zur Zeit immer Dienstags eine Frau, welche sich von dieser Welt verabschiedet.
Da habe ich diese Situation direkt vor Augen. Da lerne ich, wie es einmal sein kann; was auch meine Zukunft sein wird.
Was ich von außen nicht sehen kann, ist, was in dieser Frau vorgeht. Aber ich spüre, welches Vertrauen sie mir entgegenbringt, mit welchem Mut sie voranschreitet und ich bekomme einen Eindruck davon, was im Leben wirklich wichtig ist.
Wenn ich nach einem solchen Besuch wieder hinausgehe in unsere Welt und sehe, was mir dort begegnet, ist mir mein Blick gereinigt und all die Brillen, welche ich davor aufhatte, sind für einen Moment weg. All die Verfärbungen, Verblendungen, der Neid, der Hass, sind unwichtig geworden. Ich sehe die paar wenigen Habseligkeiten, welche noch im Zimmer dieser Frau stehen: Ein Sekretär, ein paar alte Bilder, welche an Menschen erinnern, die ihre Weggefährten waren, ein Instrument, auf welchem sie früher einmal musizieren konnte. Und ich denke darüber nach, was ich alles noch loslassen muss, um bereit zu sein, zu gehen.
Aber eigentlich wollte ich über eine Genesung schreiben, über das, was gesund macht, weil ich den Eindruck habe, dass so vieles Krankmachendes in unserer Welt existiert. 
Diese Botschaft von diesem einen Kind, das wiederkommen wird, denke ich, das ist es, was mich gesund machen kann. Weil kein Gedanke, den ich denke,  kein Wort, was ich spreche, keine Tat, die ich tue, hier auf dieser Erde endgültig ist. Alles ist im Wandel und ist einer Veränderung durch das, was wir Zeit nennen, unterworfen. Und doch hat es EINEN gegeben, an den erinnern viele, weil ER etwas Endgültiges gesagt und getan hat. Da liegt etwas Heiles, etwas HEILIGES und Gesundes drin, dass ich davon gehört habe und SEINEM Reichtum vertrauen lerne.
Das macht mich dankbar und demütig in dem Vertrauen, dass alles, so, wie es ist, gut ist.

Montag, 29. November 2010

GottDuBöser


 Der Beweis, dass Gott so ein böser Mensch ist

 Das, liebe Freunde, wollte ich schon immer beweisen. Der Groll in meinem Herzen hat mich dazu veranlasst, das glauben zu wollen: Das Böse kommt von Gott.
Was ist das, was so böse an Gott ist?
Ich glaube, ich bin enttäuscht über so manches in meinem Leben. Und immer wieder tauchte an so einer Stelle die Frage auf: Weshalb lässt Gott das zu? Weshalb handelt ER so, und nicht anders. So, wie ich denke, würde sich doch eine viel bessere, schnellere Lösung finden lassen, eine Rettung möglich sein; dies und das hätte doch auf meine Weise eher verhindert werden können!
Doch was ich in solchen Momenten nicht im Blick habe, das ist die Gesamtheit.
Ich habe gelesen, dass wenn die Bibliothek von Alexandria nicht zerstört worden wäre, hätten die Menschen ungefähr zweihundert Jahre früher auf dem Mond landen können.
Was aber wäre das für ein Fortschritt gewesen? Wären Menschen, welche vor zweihundert Jahren gelebt hätten, wirklich bereit dazu gewesen, diesen epochalen Schritt wagen zu können? Wäre dieser Zeitsprung für die Menschheit insgesamt überhaupt verkraftbar gewesen? Was geschieht eigentlich, wenn Dinge und Fortschritte zu schnell erreicht werden? Haben wir denn die Erforschung der Atomkraft schon so „verdaut“, dass wir sagen könnten: „Wir missbrauchen diese Kraft und Erkenntnis nicht mehr, sondern nutzen sie zu friedlichen Zwecken!“?
Gerade heute wieder wird dieses Thema mit Nordkorea aktuell.
Ich sage: „Gib einem Kind Streichhölzer in die Hand, und es wird damit ein Feuer entfachen – es sei denn, Du könntest mit Engelszungen reden und hättest alle Zeit der Welt, bei diesem Kind zu bleiben und es dahin zu führen, dass das Feuer, welches dieses Kind entfachen möchte, eines wird, an welchem sich alle Menschen die Hände wärmen könnten.“
Was für ein Vertrauen Gott doch in uns Menschen hat! Wie ER doch tagtäglich mit uns redet und geduldig dabeisteht und zuschaut und alles – auch das Leid erträgt, welches durch die Offenbarung SEINER Geheimnisse und durch die Hingabe SEINER Geschenke an uns geschieht.
Wie oft hat ER in meinem Leben gesprochen und gesagt: „Ist nicht so schlimm – versuch es noch einmal!“? Ich glaube, ich kann diese Momente gar nicht zählen. Und wie oft habe ich IHM gegrollt und IHN verletzt, habe IHM nicht geglaubt und war zu stolz, zu trotzig, zu eigenwillig, zu altklug und glaubte, mit IHM darüber rechten zu können, wie mein Leben und das Leben Anderer zu verlaufen hätte? Wie oft habe ich IHM den schwarzen Peter zugeschoben und gesagt: „DU bist böse, DU bist schuld, dass das alles so und nicht anders passiert, DU bist der Grund für all dieses Leid auf der Welt!“ Ja, ich war nachtragend.
Aber ER versteht das! ER kennt meinen kleinen Horizont. ER weiß, dass ich die größeren Zusammenhänge gar nicht erfassen und begreifen kann.
Nur, weil ich IHM diese Macht und dieses Verständnis einräumen konnte, half ER mir aus dieser, meiner Enge heraus. Trost erfahren, Hoffnung denken, und SEINE Wunder schauen ist Gnade und Barmherzigkeit SEINER Güte!
Gott, Du Böser, hast mir meinen Groll geraubt – jetzt kann ich DICH nur noch lieben!  Amen

Freitag, 26. November 2010

DerNeueMichael

Ich bin heute morgen, um 3:23 Uhr aufgewacht und hatte plötzlich einen völlig neuen Gedanken:
Was, wenn es zwei Michaels in mir gäbe. Einen „alten“, der festgelegt ist durch seine Eltern, seine Erziehung, die Schule und seinen so genannten Lebenslauf. Er musste sich beweisen, er wurde begrenzt durch das, was Prüfungen, Lehrer und Ausbilder von ihm sagten und ist quasi stehen geblieben bei dem, was andere von ihm bezeugt haben.
Der andere Michael ist weiter gewachsen. Er hat sich weiter entwickelt und seine Sehnsucht nach Anerkennung hat ihn dazu getrieben, sich zu vervollkommnen. Diese Vervollkommnung wurde aber bisher nie nachgewiesen, konnte sich nie beweisen, weil keiner da war, der ihm dazu die Möglichkeit gab und ihn in diesen Bemühungen ernst genommen hätte.
Es könnte sogar sein, dass diese Person nicht männlich, sondern weiblich ist und von da her schon von der äußerlichen Erscheinung her angezweifelt würde, würde sie sich in ihrer vollen Größe
offenbaren. Ja, Scham vor Spott und Hohn würde verhindern, dass diese Person jemals nach außen in Erscheinung träte!
So lebt sie ein Schattenleben im Innern eines Mannes, der sich gleichsam gar nicht als Mann fühlt.
Warum? Nun, ich bin auf mein „Mann-sein“ gar nicht so stolz! Alle negativen Eigenschaften, welche ‚mensch’  einem Mann nachweisen könnte, habe ich ja an mir selbst entdeckt und habe versucht, sie zu verändern. Verändern, so sagt Anselm Grün, ein kaufmännischer Leiter der Abtei Münsterschwarzach, ist etwas, was mit Gewalt geschieht. Er zieht es vor, den Lauf der Dinge mit dem Willen Gottes gleichzusetzen und diesen Lauf mit „Verwandlung“ zu bezeichnen. Alles, was Gott berührt, wird verwandelt.
So verstehe ich mich als ein zweigeschlechtliches Wesen, das die Fähigkeiten der weiblichen Seite in sich vervollkommnet hat, weil das Gesicht des Mannes in dieser Welt an Bedeutung verloren hat.
Er, der Mann, ein Macho, der Kriege führt. Ein Pascha, der Befehle gibt und die Partnerin wechselt, wenn sie ihm in irgendeiner Weise nicht mehr nützlich erscheint; zu alt geworden, zu gewöhnlich, verbraucht, oder einfach seine Langeweile, seinen unbändigen Hunger nach Neuem nicht mehr stillen kann.
Das ist ein Mann, der keine Treue mehr kennt und keine eigene Spiritualität, also auch keine eigene Mitte mehr besitzt. Dabei spürt er ganz deutlich, dass ihm das alles fehlt. Aber, da er Geld verdienen muss und für sein Prestige sorgen muss, bleibt ihm gar keine Zeit für die Pflege seiner inneren Werte. Es sei denn, er hätte eine Position erreicht, die es ihm ermöglicht, dafür genügend Zeit zu erübrigen und Geld zu haben, diese Seelenposition zu pflegen.
Doch wie sollen seine inneren Werte wachsen können, ohne dass es im Außen dazu die richtigen Vorbilder gäbe, nach welchen Mustern er sich orientieren könnte?
Es hat lange Zeit gebraucht, bis ich die zu mir passenden Charaktere in der Realität gefunden habe!
Meine im Innern angelegten Begabungen liegen auf so verschiedenen Gebieten, wie zum Beispiel die eines Sängers und eines Mathematikers. Selten findet ‚mensch’ solche Begabungen in einem einzigen Menschen vertreten.  Und dennoch braucht ‚mensch’ heutzutage beide – den einen als Computerspezialisten und Kybernetiker, den anderen als Künstler und kreativ schaffenden Menschen. Die Entwicklung setzt sich in beide Richtungen fort und die Gesellschaft „belohnt“ nur ausgezeichnete Leistungen entweder in der Besonderheit eines Zieles, oder in dem Durchhaltevermögen, welches benötigt wird, bis sich ein Erfolg einstellt, oder in beidem. Nur herausragende Leistungen finden Beachtung und Anerkennung, während das Alltägliche in Bedeutungslosigkeit verschwindet, obwohl das in Wirklichkeit die eigentliche Leistung darstellt, ohne welche ein kontinuierliches Leben gar nicht vorstellbar wäre. Der zweite Mensch lebt in einer Traumwelt, wird nachts wach und bekommt dort all das zugesprochen, was er am Tage niemals erreichen wird, ja beanspruchen darf. In dieser Welt ist er der Held, er der Große und der völlig Andere, der er am Tage nie sein darf.
Der Computer nun hat es möglich gemacht, gewisse „Handycaps“ zu überwinden. Wer nicht gut zeichnen kann, der bedient sich eines Grafikprogrammes. Wer sich Dinge schlecht merken kann, der bedient sich einer Datenbank. Wer nie gut in Mathematik war, der kann sich mit Rechenprogrammen helfen, welche von Menschen entwickelt worden sind, die das alles besser können und dem Computer beigebracht haben, wie das durch einfachen Tastendruck, oder Mausklick – ohne eigene Gehirnleistung - gemacht werden kann. So werden wir alle ein Stück weit auf die gleiche Ebene gehoben, obwohl eigentlich die Fähigkeiten dazu fehlen. Das Team erledigt das. Und der Computer verbindet uns miteinander. Werden wir dadurch austauschbar? Verlieren wir in einer Anonymität der virtuellen Welten des Computers die eigene Identität?
Wer sind wir noch – ohne unsere PC`s und Laptops, I-Pod`s usw.?
Dazu kommt, dass diese „dritte Welt“, welche da geschaffen worden ist, Zeit braucht, Zeit der Präsenz. Nur, wer in dieser Welt auch „on-line“ ist, wird dort auch wahrgenommen.
Aber: fehlt die Zeit nicht, um mit seinen Kindern zu spielen, die Frau zu lieben und einen Baum zu umarmen und das Gras unter nackten Füßen spüren zu können?
Ich ging davon aus, dass sich in mir eine völlig neue Person heranbildet. Das ganz andere Wesen. Eigentlich, um mit Anselm Grün zu sprechen, das Wesen, oder das Bild, das Gott sich von mir gemacht hat. Und das scheint ein völlig anderes zu sein, als die Person, welche ich gekannt habe.
In Michael Ende`s Buch „Die unendliche Geschichte“ wird dieser Vorgang beschrieben, wie ein Schulkind ein Buch in die Hände bekommt, in welchem von dieser anderen Person eine Geschichte erzählt wird und wie sich über dieses Buch ein Austausch zwischen diesen beiden entwickelt. In dem Moment, wo der lesende Junge die zentrale Person rettet, dadurch, dass er ihr einen neuen Namen gibt, entsteht sein eigenes "Phantasien", worin er selbst der Held und Diener dieser inneren, zentralen Person ist.
Michael Ende nennt sie „die kindliche Kaiserin“ – eine Seelenfigur. Sie besitzt die Macht in diesem  Phantasieland, ist aber angewiesen auf Menschen, die von ihr träumen, sich in ihrem Land aufhalten.
Die Realität und die Traumwelt miteinander zu verbinden, dieser Traum, scheint sich in  dieser „dritten Welt“, der Computerwelt, zu erfüllen. Doch, was ist geschehen? Ich sitze hier vor meinem Computer! Anstatt dass ich schlafe und in meinen Träumen das Leben lebe, was ich in der Realität nie erreichen konnte, sitze ich wach und mache mir einen Kopf darüber, was besser wäre, oder was hätte sein können. Dabei gibt es doch nur eine Realität, oder? Ich kann weder die Vergangenheit verändern, noch kann ich die Zukunft in solche Bahnen lenken, dass ein vorhersehbares Schicksal entsteht. Und was wäre das auch für eine Zukunft, die mir schon bekannt wäre, weil ich sie vorausberechnet habe, oder wie ein Band eines Rekorders noch einmal zurückgespult und neu bespielt hätte? Was ist Leben überhaupt? Woran erkenne ich die Qualität meines Lebens? 
Ich werde mich jetzt, um 5:00 Uhr morgens wieder schlafen legen und vielleicht träume ich noch etwas darüber, wie ein würdiges, gelingendes Leben aussehen könnte…